Schiiten gegen al-Maliki

Hunderttausende Iraker demonstrieren gegen Maliki:

So lautete die Überschrift des Spiegels vom 19.03.2012. Doch es wundert mich etwas dabei. Warum kommt dieser Artikel erst jetzt. Wie der Spiegel schon richtig, und ich hoffe es haben dazu Recherchen stattgefunden, fest, dass die Bewohner von Basra und Umgebung, also im Südirak, von der Zentralregierung in Bagdad anscheinend ignoriert werden. Es gibt keine konfessionellen Zusammenstöße wie in Bagdad und Umgebung. Doch es gibt Armut, Korruption, Gewalt und Arbeitslosigkeit. Und dies ist alles die Schuld von al-Maliki, der es nach gefühlten 50 Jahren an der Macht nicht schafft, Wohlstand bzw. Demokratie nach Basra zu bringen.

Mich wundert nur, dass der Artikel erst jetzt erscheint, obwohl die Probleme im Süden des schon seit ein paar Jahren bekannt sind. Ich habe so den Eirndruck, dass wieder mal eine Cliquenwirtschaft betrieben wird, wie sie ach unter Herrschaft der Baath-Partei und Hussein existierte.

Jedoch marginalisieren hier nicht Sunniten Schiiten sondern Schiiten andere Schiiten. Dabei handelt es sich insbesondere um Anhänger al-Sadrs, der ja bekannterweise ein Intimfeind von al-Maliki ist und sie sich am liebsten gegenseitig umbringen würde wollen.

Wenn al-Maliki diese Probleme nicht so schnell wie möglich in den Griff bekommt, dann könnte der Protest auch auf Bagdad überschwappen und dies kann nicht in seinem Interesse sein.

Daher ich bin mal gespannt, wohin der Protest führt.

Sunniten vers. Schiiten

Ein alter Konflikt bricht wieder …… !!!

In Brüssel wird ein schiitischer Imam von einem Salafisten ermordert. Er brennt die Rida-Moschee nieder. In Syrien bringen die Schahiba-Schwadronen Sunniten und abtrünnige Alewiten um. Im Irak werden jetzt neuerdings Anders-Aussehende unter dem Vorwand, sie seien Homosexuelle, umgebracht.

Es gibt nicht nur in Syrien Todesschwadronen. In Ägyten wollte sich Mubrak auch mit der Hilfe seiner Schwadronen an der Macht halten. In Saudi-Arabien gibt es die Mutawa, die Sittenwächter, die zwar keine Todesschwadronen sind, jedoch auch mal den Knüppel benutzen.

Jetzt muss man erstmal verstehen, dass seit 1979 ein offener Konflikt zwischen dem Iran auf der einen Seite und Saudi-Arabien auf der anderen Seite vorherrscht. Syrien befindet sich gerade mittendrin in einem Stellvertreterkrieg. Der Iran unterstützt die Alewiten (schiitische Sekte) und Saudi-Arabien die Sunniten. Die Saudis verurteilen andauerend die Gewalt gegen die Sunniten in Syrien, jedoch scheinen sie zu vergessen, dass sie erst letztes Jahr einen schiitischen Aufstand in der Ostprovinz und einen schiitischen Aufstand in Bahrain gewaltsam beendeten. Und jetzt spielen sie sich als moralische Instanz in der arabischen Liga auf.

Doch zurück zum Irak. Eine neue Bewegung entsteht. Sich-Anders-Kleidung gilt vielen Muslimen als suspekt. Da bildet der Irak jetzt keine Ausnahme zu anderen muslimisch geprägten Ländern. Christliche Frauen und ausländisch aussehende Frauen ohne Schleier werden auch in Syrien von muslimischen Ländern angegafft und angetascht.

Ich hatte bereits über den ehemaligen irakischen Innenminister Bayan Jabr geschrieben, der schiitische Todesschwadronen einsetzte, um sog. Homosexuelle ausfindig zu machen und zu töten. Dabei werden Homosexuelle im Chat angelockt und wenn es dann zu einem “Treffen” kommt, werden diese vergewaltigt und/oder danach umgebracht. Doch das was jetzt im Irak passiert, sprengt die Vorstellungskraft. Denunzieren gehört zum Alltag des heutigen Irak. In einem Gespräch mit Abbas Khider, einem sehr bekannten irakischen Autor, der in Berlin wohnt, wurde mir erzählt, dass unter Saddam Hussein ein anderer Irak, ein toleranterer Irak , vorherrschte. Nun rächen sich die Schiiten an ihren damaligen irakischen Widersachern.

Der Irak nähert sich dem System und den Wertevorstellungen vom Iran und Saudi-Arabien an, die beide Religionswächter als Hüter ihrer Sitten haben. Dabei hatte und hat der Irak eine der fortschrittlichsten Familienrechte und eine der fortschrittlichsten Verfassungen. Aber wie es aussieht nur auf dem Papier. Und die Regierung al-Maliki tut nichts, um dem Treiben der Mörderbanden entgegenzuwirken. Dabei kann man in Bagdad und Basra “westliche Kleidung” wie Gothicklamotten mühelos kaufen, was für sich schon ein Widerspruch ist.

Die Jugend will sich mit den Zwängen und Traditionen ihrer Familien nicht mehr abfinden und strebt nach Individualität, was im muslimischen Kontext als Apostasie gesehen wird, da dies gegen die Umma gerichtet ist.

Und sehr vielen Religiösen passt das gar nicht in den Kram, dass die Jugend sich gegen diese erhebt. Und so wird jetzt weiterunterdrückt und gemordet, wie es unter Hussein geschehen ist. Nur in umgekehrter Reihenfolge.

Sind die Sunniten zum Abschuss freigegeben ?

Jetzt habe ich seit 1 Monat nichts mehr geschrieben, weil es so schön ruhig im Irak war. Al-Qaida konnte die Streitigkeiten zwischen Schiiten und Sunniten nicht ausnutzen. Es besteht auch nach dem Abzug der US-Amerikaner kein Machtvakuum. Doch nachdem al-Mutlaq al-Maliki schlimmer als Saddam beschrieb, herrscht ein bis zum gestrigen Tag verborgener Krieg zwischen den Konfessionen. Die Sunniten, die bis 2001 die Herrscherclique bildete, herrscht heute ein Gefühl des “zum Abschuss freigegeben” der Sunniten durch die Schiiten. Doch was hätten die Sunniten von der Ermordung al-Malikis. Die Antwort lautet nichts. Sein Nachfolger würde wieder ein Schiit sein. Die Armee besteht zu 98 % aus Schiiten. Insbesondere die Offiziere sind zu 99,9% Schiiten. Dieses wird noch zu Probleme führen. Die Sunniten sind keine kleine Randgruppe. Sie stellen 20% der irakischen Bevölkerung (mit den Kurden sogar 40-45%).

Doch heute explodierten wieder Bomben in Bagdad. Die Frage lautet: Wer hat was davon?

- al-Qaida ist weg vom Fenster

- die Sunniten würden sich selbst marginalisieren

- die Schiiten hätten einen Grund gegen die Sunniten vorzugehen

- die Kurden sind ein weiteres Stück an ihrer Unabhängigkeit dran

Also die Schiiten und Kurden würden gewinnen. Doch die Anschläge wurden gegen Schiiten verübt. Also ermorden Schiiten ihre eigenen Brüder, um die Sunniten von der Macht zu entfernen. Vielleicht sogar auf iranische Befehl hin?

Al-Haschemi hat sich in den kurdischen Teil abgesetzt, weil dort die irakischen Kräfte keinen Zugriff auf ihn haben. Ehrlich gesagt, dass wusste ich auch noch nicht. Der kurdische Teil ist doch noch ein Teil des Irak! Oder ? Al-Haschemi wird dort so lange wie möglich bleiben, da ihm in Bagdad kein ordentliches Gerichtsverfahren gewährleitet werden kann.

Persönlich hatte ich gehofft, dass die Spannungen zwischen den Gruppen zurückgegangen sind. Schließlich sind sie alle …….? Tja jetzt fallen mir noch nicht mehr Gründe ein, warum sie alle an einem Staat interessiert wären. Doch vielleicht noch das ÖL und die Einnahmen aus seiner Förderung.

Doch ich muss nun zugeben. Es sieht danach aus, dass sich der Irak nach sudanischem Vorbild teilen könnte.

Ich halte euch auf dem Laufenden!!!

Malikis mieses Spiel

Jetzt war es so schon ruhig im Irak. Die Amerikaner waren da und sorgten für “Ordnung”. Alle verstanden sich (naja sind eben gute Schauspieler) und die Anschläge gingen zurück.

Der Irak geriet in Vergessenheit. Die Medien konzentrierten sich auf den “Arabischen Frühling” im Maghreb und Ägypten. Jetzt schlacht al-Assad sein Volk ab und die Nachrichten widmen sich endlich Syrien.

Jetzt einen Tag nachdem die US-amerikanischen Besatzungstruppen nach Kuwait abgezogen worden sind, wendet sich das Blatt im konfessionell angespannten Irak. Al-Maliki (MP) will al-Mutlaq (Amtsenthebung) und al-Haschemi (Haftbefehl)”vom Fenster weghaben”. Nun hat die Fraktion Al-Iraqiyya ca. 90 Stimmen im irakischen Parlament. Und die Demokratie scheint ihre Früchte zu tragen, da das Parlament dem Wunsch al-Malikis nicht zustimmte, al-Mutlaq “abzuschießen”.

Doch was bringt al-Maliki dieser Schachzug. Stimmen werden lauter, dass er schlimmer als Saddam Hussein ist. Und langsam verdichten sich die Anzeichen, dass al-Maliki eine schiitische Diktatur nach iranischem Vorbild aufbauen wird. Wie bekannt ist, stehen sich Ahmadinejad und al-Maliki sehr nahe und der iranische Einfluss auf den Irak wird größer und größer. Ob sich die Amerikaner mit dem Sturz Husseins einen Gefallen getan haben, kann bezweifelt werden.

Nun wird wieder die konfessionelle Keule aus dem Schrank geholt, um ungeliebte Feinde unschädlich zu machen. Doch so einfach wie sich al-Maliki es sich vorstellt, wird dies nicht passieren. Laut der irakischen Verfassung ist es sehr schwer jemanden seines Amtes zu entheben. Die Barrieren sind kaum überwindbar, aber sie sind überwindbar. Aber mit einer starken sunnitischen Fraktion ist dies unmöglich.

Al-Haschemi soll an einem Massaker beteiligt gewesen sein und al-Mutlaq soll sich nicht positiv über al-Maliki geäußert haben. Doch wenn es nach diesen Kriterien geht, müsste dann nicht auch al-Sadr verhaftet werden. Da dieser Schiit ist, wird dies aber nicht geschehen.

Ich hoffe, dass die irakische Regierung handlungsfähig bleibt und so schnell wie möglich ihre Konflikte beilegen kann.

Rückzug der Amis – nur ein Märchen

Hallo,

heute bin ich dazu gekommen und konnte wieder mal arabische Zeitungen lesen. Und was ich dort gelesen habe, war ein gemischtes Gefühl. Soll ich mich jetzt freuen oder trauern, dass die Amerikaner sich aus dem Irak zurückziehen.

Nach wenigen Momenten konnte ich mich dann aber freuen. Die desatröste US-Besatzung des Irak hat ein Ende gefunden.

  ديسمبر18 تاريخ نهاية الحرب الأميركية في العراق: جندي يعبر عن فرحته على متن عربة مصفحة في آخر رتل عسكري أميركي يعبر الحدود إلى الكويت أمس

Also jetzt sind die ersten Truppen nach Kuwait abgezogen worden. Obwohl einige Attentate noch passieren (insbesondere durch schiitische Milizen verursucht), so ist der Irak so stabil wie noch nie seit 2001.

Wie jetzt die unterschiedlichen Gruppen mit dieser neuen Situation umgehen, ist schwer zu beurteilen. Eine friedliche Lösung ist mehr als fraglich, aber sehr wünschenswert. Schließlich hängt eine funktionierende Wirtschaft mit der Stabilität des Landes zusammen.

So liebe Leser. Bis dahin. Falls es etwas neues gibt, so werde ich meine Gesagtes aktuallisieren.

Neues im Irak

Jetzt habe ich mich schon eine Weile nicht mehr gemeldet, weil es einfach nichts positives über den Irak zu berichten gab. Es scheint, dass der Irak aus den westlichen Medien komplett verschwunden ist. Wir hören nur noch von Anschlägen, Verletzten und Toten in Bagdad und in den sunnitischen Hochburgen.

Das mag dem Grund geschuldet sein, dass der Fokus auf Syrien liegt, wo Baschar al-Assad sein eigenes Volk abschlachten läßt. Gestern hat denn der UN-Sicherheitsrat keine weiteren Sanktionen, dank russischen sowie chinesischer Intervention, erlassen. Willkommen im “Kalten Krieg reloaded”.

Heute habe ich wieder arabischsprachige Zeitungen lesen können. Leider waren diese Nachrichten weniger positiv. Es wurde nämlich in einem Fußballstation im Süden Bagdads ein Anschlag verübt, der aber nur 5 Verletzte nach sich zog.

Soweit ist es nun gekommen. Kein wirtschaftlicher Fortschritt, Korruption und eine hohe Arbeitslosigkeit. Nur Anschläge, Tote und Verletzte. Willkommen im blutigen Alltag der Iraker.

Danke nochmals an die USA.

Was gibts neues im Irak ?

Ich habe den ganzen August über arabische, deutsche, englisch und französische Zeitungen sowie Fernsehsender gesehen und ich musste feststellen.

Es gibt nix neues !!!

Der Fokus ist vom Irak nach Syrien und Libyen gewandert. Der Irak scheint wohl nicht mehr gefragt zu sein bei den europäischen Regierungen und ich finde das richtig gut.

Es wird nur berichtet, dass noch ein weiter Weg für den Irak bevorsteht, das aus 3 verschiedenen Bevölkerungsgruppen eine Nation bilden soll.

Aber ich halte euch auf dem Laufenden, falls wieder was passieren sollte.

Mfg

Die Zukunft des Nahen Osten ?

Fällt Syrien ? Das ist die spannendste Frage, die sich wohl gerade die meisten Menschen stellen, die sich noch für den Nahen Osten interessieren.

Die Situation zwischen Syrien und dem Irak gleicht schon sehr. Beide Länder von Despoten geführt, die langsam Reformen einführten. Beide Länder von Minderheiten geführt (Irak-Sunniten, Syrien-Alawiten). Beide Länder gehörten bzw. gehören zur Achse des Bösen.

Der Irak ist am Zerfallen. Nur noch in der Utopie der westlichen Nationen besteht der Irak aus einem Nationalgebilde. Doch nach den 10 Jahren der Besatzung (die Kurden schon seit 1991) bilden sich regionale Strukturen heraus, die unabhängig von einander agieren. Nachdem der irakische Zentralstaat zerstört wurde, zähle ich nur noch die Jahre oder Tage oder Stunden, in denen die Kurden beschließen eine eigene Nation auszurufen. Die Amerikaner beschlossen zum Ende des Jahres abzuziehen. Was haben sie hinterlassen?

Einen Scherbenhaufen!!!

Doch die Lage in Syrien ist anders. Baschar al-Assad genauso wie sein Vater Hafiz nehmen Hama als Geisel für ihr perverses Machtspiel. Nachdem Hafiz die Muslimbrüder Anfang der 80er Jahre in Hama abschlachtete, tut sein kleiner Sohn nichts anderes. Ist er eine Marionette der Geheimdienste und des Militärs. Man kann es glauben, wenn man ein US-Amerikaner ist.

Doch als Deutscher, der dort arabisch studiert, dort gelebt und dort Freunde hat, sieht die Lage anders aus. Baschar ist das Abbild seines Vaters. Er hat von ihm gelernt. Was würde passieren, wenn Syrien im Chaos versinken würde. Die Antwort ist ziemlich einfach. Das Selbe wie im Irak. Chaos. Willkür. Terror.

Doch das haben wir jetzt schon in Syrien. Warum greift die Welt nicht ein. Weil China und Russland intervenierten und eine Verurteilung im UN-Sicherheitsrat verhindert wurde. Jetzt sieht der Weltenbürger wieder einmal, wie schwach das Gremium ist, bei dem Deutschland gerade den Vorsitz hat.

Ich bin kein Messias, doch ich kann schon die Situation vorweggreifen. Es wird sich nichts ändern, weil sich nichts ändern darf. Um dies zu verstehen, sollte sich der Leser schon ein wenig mit den Vorgängen in Syrien und im Irak auseinandersetzen. Doch leider tun dies die Wenigsten.

Ich könnte hier ein paar Seiten schreiben, um die Rolle der sunnitisch geprägten Medien, der US-amerikanischen Außenpolitik und die Rolle der arabischen Liga näher zu erläutern, doch da es schon spät ist, werde ich dies zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Bis dahin

Menschenrechte vs. Kapitalismus

Deutschland diskutiert seit gut einer Woche über den Panzerdeal mit Saudi-Arabien. Ob der Bundessicherheitsrat das Geschäft schon genehmigt hat oder nicht. Wir können nur spekulieren. Nur dass das Geschäft ans Tageslicht gekommen ist, ist wohl mehr als peinlich für die Regierung.

Vertrauliche Sachen aus dem Sicherheitsrat werden nach außen getragen. Vom BND Neubau in der Chausseestr. in Berlin-Mitte verschwinden vertrauliche Bauunterlagen. Naja vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus. Und Vertrauen ist schließlich das Wichtigste zwischen befreundeten Nationen.

Genau zu einer unserer befreundeten Nation möchte ich jetzt kommen. Die USA, einer unser engsten Verbündeten, steht vor einem riesigen Waffengeschäft mit dem Irak. Ein Vertrag über die Lieferung vom Kampfjets (F16) soll zwischen der irakischen und US-amerikanischen Regierung unterzeichnet werden.

Also im Klartext: Die USA liefern Kampfjets in ein Krisengebiet, welches immer noch nicht befriedet wurde und wo täglich Menschen sterben, wo US-Special Forces unschuldige Iraker umbrachten, wo amerikanisches Kriegsmaterial benutzt wird um sich gegenseitig abzuschlachten.

Wir als drittgrößtem Waffenexporteur machen uns Gedanken um Menschenrechte. Wie naiv sind wir eigentlich. Die Opposition im Deutschen Bundestag (SPD/Grünen/die Linke) heuchelt über die Missachtung der Menschenrechte in Saudi-Arabien, obwohl in der Ära Schröder ebenso Waffendeals mit Saudi-Arabien abgeschlossen wurden (diese kamen nur nicht zum Vorschein, weil sie streng vertraulich waren).

Doch die Amerikaner sind schlauer, wenn es darum geht, ihre Waffendeals für die Diktaturen und Krisenherde dieses Planeten zu rechtfertigen. Der Iran wird immer gern genommen, wenn es um die militärische Aufrüstung der Nachbarn geht. Jedoch kämpft der Iran gerade an anderen Fronten. Die Hizbollah schwächelt. Al-Asad (Präsident Syrien) steht vor dem Scherbenhaufen des Systems seines Vaters. Doch der Iran ist immer schuld. Ich bin mal gespannt, was die USA machen, wenn der Idiot auf dem Präsidentenstuhl des Iran weg ist.

Aber wieder zum Waffendeal und der Lieferung der ca. 30 F16 Kampfjets. Die USA interessieren sich doch immer im Vordergrund darum, dass ihre Wirtschaft brummt. Die Schulden, die das Land erdrücken, die hohe Arbeitslosigkeit in den USA sind nur 2 Gründe, warum der Deal über die Bühne gehen wird. Da hat keiner ein schlechtes Gewissen. Warum auch. Der Irak zahlt gut. Er hat ja schließlich genug Öl und Einnahmen aus dessen Verkauf. Also profitieren beide Seiten von dem Deal.

Doch die Deutschen tun sich wieder schwer. Die Saudis waren es, die den Aufstand in Manama (Hauptstadt Bahrain) beendeten und die sunnitische Monarchie retteten, obwohl die Mehrheit der Bewohner Schiiten ist. Dies erinnert doch sehr an die Zeit von Saddam Hussein im Irak. Dieser wurde ja auch hofiert und ausgerüstet von US-Amerikanischen Firmen.

Wir sollten endlich von unserem Image abrücken. Wir sind die 4. größte Wirtschaftsmacht des Planten, wir sind der 2. größte Exporteur, wir sind der 3. größte Waffenexporteur. Wir müssen nicht von allem und jedem gemocht werden. Wir sollten endlich mal politische Verantwortung übernehmen. Schließlich wollen wir doch in der Weltpolitik mitmischen. Wir sollten endlich mal wieder Mut in unseren politischen Ansichten zeigen. Schließlich sind wir wer.

Doch die Frage steht hier im Raum. Wie lange noch ? Saudi-Arabien mag zwar ein despotisches System haben (und ich war da und kann sagen, es stimmt), doch Wirtschaftsinteressen sind doch immer noch wichtiger als Menschenrechte. Das sieht man doch an China. Wenn wir keine Raketen, Panzer, Munition oder Kampfjets liefern, dann tun es andere.

Das Islamische Recht

Hier ist meine nächste Buchempfehlung. Bei ihr handelt es sich um das Werk von Prof. Dr. Mathias Rohe. Er als Jurist und Islamwissenschaftler schuf ein Werk, welches schon überfällig für den deutschsprachigen war.

DAS ISLAMISCHE RECHT. Geschichte und Gegenwart vom Beck-Verlag

Das am meisten missverstandene Recht der Menschheitsgeschichte. Staatsdoktrin in mehreren islamischen sowie islamisch geprägten Staaten entweder als die Quelle der Gesetzgebung (Saudi-Arabien-Ägypten/sunnitisch und Iran/schiitisch) oder als eine Quelle der Gesetzgebung (Irak).

Auch für den Laien ist dieses Buch lesenswert. Er klärt 4 Teilen das religiöse Recht.

1.) Die Geschichte des islamischen Rechts

2.) Modernes islamisches Recht

3.) Wege des islamischen Rechts in der Diaspora

4.) Perspektiven des islamischen Rechts in einer globalisierten Welt

Wer Fragen über “Recht” hat, sollte sich unbedingt dieses Buch zulegen.

Nur in 2 Punkten fand ich das Buch zu grob. Die beiden großen Themen “Homosexualität” und “Alkohol” sind leider meiner Meinung nach zu kurz dargestellt worden.

Dennoch ist es als Einführung gut geeignet.